Technik-Upgrade im Cockpit: Neues Radio

Unser Kombigerät versagte in den ersten Tagen der letzten Reise den Dienst: Das Display blieb schwarz. Der größte Schmerz dabei war, dass der Fahrer beim Rückwärtsfahren reichlich toten Winkel mitführte, weil das Bild der Rückfahrkamera nicht angezeigt wurde. Dieser Beitrag dokumentiert den Austausch (des Geräts, nicht: des Fahrers).

Vorhandenes System

Erworben haben wir das Fahrzeug mit einer Anlage namens Pioneer AVIC X1R und dem Navigationssystem CNDV-50MT: Ein Multi-Funktions-Gerät mit Radio, Navi, Rückfahrkamera, CD/mp3/DVD-Player und einem klappbaren Display. Größe des Schlitzes für den Einbau: DIN 1. Technik aus dem Jahr 2005, Kartenmaterial auf DVD von ~2010. Pioneer teilte das Innenleben in zwei Kästen auf: Das eigentliche Radio sowie eine sogenannte Hideaway-Unit, die aus Platzgründen irgendwo anders im Fahrzeug verbaut werden muss.

Die Kunst ist, das alte Radio herauszufummeln, ohne das Armaturenbrett zu zerkratzen; und die Hideaway-Unit zu finden. Zunächst war ich nervös, weil keine Montagewerkzeuge aufzufinden waren: Diese Klammern oder Bügel, die der Hersteller üblicherweise mitliefert. Glücklicherweise ist unser Display-Unit mit vier (nagut: drei) kleinen Kreuzschrauben am Rahmen befestigt, die sich mit dem Feinwerkzeug aus dem Discounter meines Vertrauens entfernen lassen.

Unter dem Tacho hat man seinerzeit die Hideaway-Unit versteckt. Wilde Sache und, wie sich später herausstellt, die Ursache für zwei Tage Verzögerung: Das Kabel für RCA-Video (Cinch, gelb) von der Kamera endet an der Hideaway-Unit, während ich das neue Ende beim Radio brauche. Da soll einer sagen, 30cm sind kein Maß ;-). Bestand im Keller? Nix. Bestand in Nachbars und dessen Nachbars Keller: Nix. Online bestellt für 5,- gibt’s einen satten Meter davon, ich warte die Zustellung ab.

Bild: Chaos im Cockpit des Ducato beim Ausbau
Chaos im Cockpit des Ducato beim Ausbau

Im Bild: (1) Hier war Radio alt mit Kabelbaum, (2) Display-Unit unter dem Tacho, (3) Radio neu

Neues System

24/7-shopping von unterwegs im Neuland Internet: Bei einem deutschen Händler finde ich ein passendes Gerät; Preisklasse 330,-€. Uff. Ich frage meine Finanzberaterin bezüglich Budget: Das wäre im Rahmen. Hm. Weitersuchen. Beim Online-Händler, den ich vermeiden will, gibt es etwas Vergleichbares für ein Viertel des Preises. Auf geht’s.

Wir erwerben – Zitat der Händlerseite: „Radio ESSGOO 6.36 Zoll 1 DIN Autoradio mit Wireless Carplay und Android Auto, HD IPS Bildschirm Auto Display Bluetooth Radio mit Rückfahrkamera Mirror Voice Control Mirror Link FM“ zum Preis von 75CHF. Es verfügt über die benötigten Anschlüsse sowie modernen Schnickschnack, den man nutzen kann oder auch nicht, z.B. Apple Car Play und Android Auto, außerdem Display Mirroring für das Handy.

Ob wir das verwenden, wird sich zeigen – zumal ich im französischen Action eine Halterung für das Smartphone erwarb, die sich bereits bewährt hat: Rund 12€, angeblich von Grundig, mit Saugnapf für Windschutzscheibe oder Armaturenbrett – wovon der Hersteller auf S. 1 der Beschreibung abrät 😉 – hält. Kontaktloses Laden ist dabei, ich bin begeistert.

Bild: Ordnung im Cockpit des Ducato nach Einbau
Ordnung im Cockpit des Ducato nach Einbau

Verdrahtet ist’s wild, der Vorbesitzer bzw. dessen Monteure verbauten Lüsterklemmen. Ich schließe (mich) diesem Ansatz für das Einspeisesignal des Rückwärtsgangs an, der die Kamera aktiviert. Apropos: Die Heckkamera bleibt, die mitgelieferte wandert in die Kiste mit Fahrzeug-Zubehör unter der Sitzbank für… vielleicht… später. Never run a changing system, or so.

Die erste Testfahrt verlief erfolgreich: Musik vom Smartphone abspielen, am Touchscreen auf Pause drücken. Der Ton wird leiser, wenn ich den Rückwärtsgang einlege. Läuft. Klangerlebnis? Nunja, bei diesem Preis akzeptabel.

Vergleich Alt – Neu

Stelle ich die Geräte und die Handhabung gegenüber, ergibt sich folgendes Bild:

  • Gewicht alt: Display, Hideaway-Unit, Kabelbaum 4,5kg
  • Gewicht neu: 0,4kg
  • Wir sind um 4kg leichter!
  • Das Radio ist kleiner
  • Lästiges und fehleranfälliges Ausfahr-Klapp-Display entfällt: Kein Kabel, das brechen kann
  • Weniger Hitzeentwicklung, schnellere Kühlung weil Gebläse-Kanal weniger aufgeheizt
  • Bluetooth nativ dabei, den Umweg über Bluetooth-12V-Adapter, der sich (manchmal ;-)) mit dem Handy verbindet und bisher per Radio-Frequenz im alten Gerät seinen akustischen Weg zu den Boxen des Fahrzeugs fand, entfällt
  • Kein Navi, nagut, wusste ich vorher weil Beschreibung des Geräts vor dem Kauf gelesen: Wir navigieren per Handy
  • Beim Einbaurahmen und der Verschraubung spart man in Fernost. Das Wackeln behebe ich mit 2x Gummistreifen aus dem Bestand: „Das hebe ich auf, für man-weiß-ja-nie
  • Alt: Diebstahlschutz, Bedieneinheit abnehmbar – früher war das so. Neuere Geräte, zumal in meiner Preisklasse, klaut keiner mehr. Und selbst wenn…

Ich inseriere die Pioneer-Gerätschaften. Möglicherweise hat jemand Verwendung dafür. Anderenfalls entsorge ich die Einzelteile fachgerecht.

Bild: Display, Hideaway-Unit und Zubehör zum Verkauf
Display, Hideaway-Unit und Zubehör zum Verkauf

Invest und lessons learned

  • Zeit in Summe etwa ein gestreckter Tag; weiß man, wo man hinlangen muss, und hat man alle Teile parat, geht das in ca. 1/3 der Zeit
  • Ausgaben: 75,- Radio, 5,- Kabel
  • Gelernt: Viel, vor allem: Geduld
  • Disziplin: Motorhaube auf und die Masse der Fahrzeugbatterie mit 13er Gabelschlüssel abklemmen. Jedes Mal. Wieder dran, zum Test. Wieder ab, zum Weiterfrickeln. Wieder dran…

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