Frankreichs südlicher Nordwesten

Bild: Bretagne, Strand mit Sand und Meer und Himmel

Im Urlaub soll man sich erholen, geistig von der Arbeit trennen, Neues erleben. Verreist man ins Ausland, so möchte man – wir, zumindest – etwas von Land und Leuten sehen. Was haben wir erlebt an 15 Tagen, 3.100 gefahrenen Kilometern, 10 Übernachtungsplätzen? Eindrücke einer Reise.

Wir haben uns eingelesen und eine Reihe an Favoriten festgelegt. Reportagen über die Bretagne gibt es wie Sand am Meer: Qualitativ hochwertig weil professionell von einer Rundfunkanstalt erstellt, brauchbare Videos im Eigenbau von Menschen, die dort waren und ihre Eindrücke schildern, und wie’s halt immer so ist allerhand Mist, den niemand sehen will. Neugierig und motiviert starten wir am letzten Schultag, Ziel: Am Samstag in Frankreich aufwachen.

Bild: Unsere Reiseroute in die südliche Bretagne
Unsere Reiseroute in die südliche Bretagne

Karte erstellt via Export der Markierungen in OsmAnd+ am Smartphone, Import der .gpx in https://umap.openstreetmap.fr/de/ Kartenmaterial: OpenStreetMap contributors. Ich sage danke – auch wenn’s keiner liest ;-).

Der Camping Municipal in Metz nimmt uns auf. Stadtbesichtigung, Kathedrale (die selbstverständlich geöffnet ist) und Marktbesuch am Sa. morgens. Highlight: Crepes mit Zucker für 0,80€ (!). Über Sezanne – der Pool öffnet erst am 22. Juni – und eine Planschrunde für 2/3 im Schwimmbad Le Mans bei 34° kommen wir am So. abends erschöpft am Meer an. Abendessen am Strand.

Einige Erlebnisse

Vorgenommen haben wir uns, die südliche Bretagne besser kennenzulernen. Salzgewinnung, Hinkelsteine, Bootsausflug, einen Pastis trinken, baden, buddeln, lesen. Ein Reisebeginn ist stets eine Wunschliste, die man krampfhaft erfüllen kann – zum Glück nicht: muss. Dafür ergeben sich unterwegs unverhoffte Dinge, imposante Überraschungen, die der Pauschal-Tourist mit Ortsbindung niemals erleben wird – einen Schiffsfriedhof, beispielsweise. Das ist es mir allemal wert, Fahrerei und Strapazen, Krise im Kreisverkehr, weil der menschliche Navigator dem nervösen Lenker für dessen Geschmack zu träge reagiert; Fragen, die die Welt nicht braucht, von der Rückbank zu Zeiten, in denen die beiden Vordersitze sich voll auf die letzte Meile zum nahenden Schlafplatz fokussieren: Es gelingt.

Schonmal in einer Mautstelle rückwärts gefahren? Hinter mir hupt’s, zu diesem Zeitpunkt ging die Heckkamera noch, ich rolle beherzt-entspannt in cm-Schritten rückwärts, damit der (deutsche Langweiler, äh…) Fahrer hinter mir irgendwann begreift, wie es weitergeht. Wo werde ich wohl hinwollen, wenn die fünf Fahrzeuge vor mir vorwärts blockiert sind, weil der Schlagbaum untenbleibt?

Kühlschrank auf Gas, andere Länder, andere Sitten. Insgesamt haben wir etwa 5kg verbraucht in zwei Wochen für Kochen, Kaffee, Abspülen, 1x Heizung und den Absorber, der das Futter kalt hält.

Umleitung heißt in Frankreich: „Deviation“. Wenn Du glaubst, Du kommst am Ende dort raus, wo Du ursprünglich hinwolltest: Verabschiede Dich von diesem pubertären Traum. Der Fairness halber: Manchmal klappt’s. Freu‘ Dich. In vielen Fällen endet die Beschilderung irgendwo im Nirgendwo und Du wendest stirnrunzelnd den Bock an der über-nächsten mehr oder weniger geeigneten/zulässigen Stelle. Wäre die Deviation eine Software, könnte man immer wieder von einem Zirkelbezug sprechen: Du drehst Dich im Kreis, bist wieder dort, wo Du losfuhrst, bloß von der anderen Seite, oder in der Gegenrichtung, dem Ziel um keinen Millimeter näher. Sei’s drum, Urlaub, durchatmen, Alternativen suchen, Vorwärtsgang rein, weiterfahren.

Bretagne heißt Meer heißt Atlantik heißt… Hinlaufen oder auf’s Rad steigen – tolle Radwege, super Netz, beschildert, Radfahrer haben Vorrang vor den motorisierten Gefährten! -, die Gegend erkunden. Idylle am Strand bei Pen Lan, wenige Menschen am Strand, noch weniger im Wasser.

Bild: Resultat einer Buddel-Aktion
Resultat einer Buddel-Aktion

Was noch..?

Eindrücke und individuelles Empfinden nach der Reise in lesbare Worte zu fassen ist eine Aufgabe. Also:

  • 6000 Jahre alte Menhire in Carnac besichtigt
  • Zufällig den Trimaran von sailsofchange (und, direkt daneben, den von actual) im Hafen La Trinité-sur-Mer entdeckt. Beeindruckend: 40m hoher Mast, 35m langer Rumpf, in 47 Tagen um die Welt und damit auf Platz 4, Spitzengeschwindigkeit 90km/h. Auf dem Wasser, angetrieben durch Wind
  • Radtouren getätigt
  • Keine Urlaubsbekanntschaften gemacht ((leider) auch keine Kinder): Das Durchschnittsalter der Camper in der Nebensaison ist 70. Paare, meist Franzosen (immerhin), manchmal mit Hund
  • Boot gefahren und auf Atlantik-Insel Ile Saint-Nicolas flaniert, gebadet, Erfrischungsgetränkt aufgenommen
  • Im Atlantik gebadet, mehrfach
  • Streckentauchen geübt in diversen Pools
  • Vieeele Wassertürme gesehen
  • Einige Croissants gegessen
  • Autobahn um Paris herum mit Blick auf Eiffelturm, La Defense, Sacre Coeur befahren: Unerwartete Erinnerung an den Urlaub vor recht genau einem Jahr aus einer völlig anderen Perspektive
  • Gelesen: 1/2 Buch hab‘ ich geschafft, für mehr war einfach keine Zeit 🤭

Fazit, trau‘ ich mich?

Wieder zurück, fragt man mich: Und, wie war’s? – Ich antworte: Von der Arbeit abgeschaltet habe ich. Erholt eher weniger. Nächstes Jahr tummle ich mich mit Millionen von Landsleuten irgendwo, wo’s Kinder gibt bei einer maximal dreistelligen km-Zahl als Anfahrt.

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