Markise gereinigt

[Ein Textbeitrag aus der Reihe: Ich wollte „nur kurz“ notieren, wann das war. Das einzig bedeutende Element dieser Ansammlung von Buchstaben ist der Zeitstempel, August 2025.]

Seit Juni 2024 steht es auf der „man-müsste-mal-machen“-Liste: Markise reinigen. Begründungen, es (jetzt) nicht zu tun, gibt es reichlich. Bei einem Kurztripp über’s Wochenende willst Du nicht 1/2 Tag mit solcherlei Tätigkeiten verbringen. Beim Be- und Entladen vor der heimischen Haustür ist der Gartenzaun im Weg. Das Wetter ist… zu gut, zu schlecht, zu nass, zu kalt, zu heiß, zu trocken, zu…

Der Auslöser

Am Platz Sylvamar bei Labenne im Südwesten Frankreichs standen wir auf Sandboden im – leider nur teilweise – schattigen Pinienwald. Teilweise, weil eben doch die Sonne auf’s WoBi schien; leider, weil wir die Markise permanent ausgefahren hatten. Dadurch kassierten wir zehn Tage lang allerfeinstes, südfranzösisches Harz in getropfter Form auf Dach und Sonnenschutz.

Der saubere Weg wäre gewesen: Bei der Abfahrt, vor dem Einrollen, eine fachmännische Reinigung durchzuführen. Wäre, könnte, hätte, hätte… gemacht haben wir’s nicht, sondern (wie viele andere): Grobes Zeug wie z.B. Nadeln abkehren/-klopfen, einkurbeln, losfahren. Ergebniss: Harztropfen als Flecken auf die PVC-Plane fest aufgedrückt. Durch das Einrollen ist das Harz nicht nur auf der Oberseite, sondern zusätzlich auf der Unterseite anzutreffen. (Eine einfache Betrachtung der Geometrie des Aufwickel-Prozesses: Plane auf Walze veranschaulicht das). Tja.

Damit leben

Kurze Recherche im Netz, das alles weiß: Spezialreiniger, Butter, WD40, damit leben. Die eine, einzig wahre, perfekte Lösung hat keiner zur Hand. Also weiter.

Beim nächsten Ausfahren knackt und quietscht es ein wenig, weil wir die Harzverklebungen der Rolle überwinden müssen. Es bindet etwas Staub, die Klebekräfte schwinden. Das über- und überübernächste Mal fällt es leichter, man gewöhnt sich an den Anblick. Die Sonne bäckt die Flecken fest.

Ran an den Speck

Jetzt, im August 2025, habe ich etwas Muse und gehe die Sache an. Kind spielt, Frau kauft Lidl leer (denn: Lidl lohnt sichimmer!), Mann hat Zeit und Motivation. Erneut im www nachgesehen, ja, es gibt Reiniger, teils für Stoff, teils Kunststoff-angreifend, hab‘ ich gerade eh nicht da, umstritten, nebenbei Chemie studieren wollte ich nicht. Folglich Hausmittel, was haben wir an Bord:

  • Butter
  • WD40
  • Spülmittel
  • Wasser, Lappen, Schwamm, Bürste, Reinigungsset mit: Teleskopstiel und Wasserschieber-Aufsatz

Ich lasse die Füße der Markise ab und stelle sie schräg. Die Mechanik protestiert akustisch wie haptisch, hilft nix, ich muss da ran. An zwei bis drei Flecken – inzwischen ein Jahr lang eingetrocknet und ausgehärtet – versuche ich es mit Butter. Kaum Erfolg. Vier bis fünf Flecken daneben: WD40. Kaum Erfolg. Dabei belasse ich es vorerst und widme mich den Armen: Wasser, Spülmittel, Lappen. Sichtbare Erfolge.

Session I: Mechanik und Blende

Den angesammelten Schmutz hinter der stirnseitigen Blende kann ich mit den Fingern nicht greifen. Messer… besser scharfe Gegenstände vermeiden, PVC-Bahn und lackiertes Metall. Mit meinem #Lieblingswerkzeug schraube ich die Blende ab, es kommt mir eine ansehnliche Menge Erde, Staub, Krümel und organische Bestandteile entgegen.

Seitlich angebracht sind jeweils zwei Kunststoff-Teile, die die Optik der Kante verschönern. Und den Kopf des Campers schonen, wenn er dagegenläuft. Davon ist eines gebrochen, hält aber noch. Ich notiere (hier) die Teilenummern: Omnistor 5800 mit Endkappe 72553. Internetz befragt, das Original-Teil ist vergriffen. Der eine oder andere 3D-Druckservice bietet etwas in der Bucht an, ca. 15,- pro Stück. Zeitlich unkritisch, vertagt.

Zeitaufwand: Rund 2h, gemütlich.

Session II: Plane, Markise

Geeignete Witterung und zeitliche Machbarkeit lassen mich auf einem anderen Campinplatz die Arbeiten fortsetzen. Das Reinigungsset mit Teleskopstiel, eine Wanne, Wasser und etwas Spülmittel leisten gute Dienste. Reichlich Wasser. Putzen, von oben – und von unten. Speziell zur Traufe hin auf der Innenseite hängt Staub.

Zeitaufwand: Rund 2h, gemütlich.

Fazit

Hätten wir die Flecken sofort entfernt, vor dem ersten Einrollen, wären sie nicht eingetrocknet und vermutlich mit dem einen oder anderen Mittelchen entfernbar gewesen. Wir werden es nie erfahren; früher oder später stehen wir wieder unter einem Baum.

Von Staub und Dreck befreit, sieht die Plane deutlich frischer aus – und leichter ist sie auch. Mit dem optischen Mangel fahren wir gut.

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